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(2010) Goldene Stunden - Freiwillige als sozialer Reichtum in Basel

Das Projekt "Stadthelfer" wurde von der Sozialhilfe Basel in Zusammenarbeit mit der Kontaktstelle für Arbeitslose entwickelt. In "Goldene Stunden" portraitiert das Präsidialdepartement Basel-Stadt Formen von freiwilligem Engagement. Hier der Abschnitt zu den Stadthelfern:

Man muss halt dahinter stehen. Man muss es gerne machen.

Heidrun Luder, 54, Ökumenischer Seelsorgedienst für Asylsuchende

„Er kam in die Kinderklinik mit mehr Alkohol im Körper als
Blut." So beginnt die Geschichte der Schweizerin Heidrun Luder.
Die 54-jährige ehemalige Putzfrau hat ihren Sohn adoptiert,
der mit acht Monaten seiner alkoholabhängigen Mutter
entzogen wurde. Aus der frühkindlichen Vernachlässigung
blieb ihm ein schwerer Wirbelsäulenschaden. 15 Jahre blieb
Heidrun Luder ganz bei ihrem Sohn zu Hause. Danach arbeitete
sie als Putzfrau in einem Büro. Der heute 24-Jährige lebt
mit seiner Mutter in Kleinbasel und träumt von einer Lehrstelle
als Zweiradmechaniker. Seit Jahren bezieht Heidrun
Luder Sozialhilfe. Ihr Mann, ebenfalls Schweizer, ist schon
lange weg. „Niemand lebt gerne in Armut und hat gar nichts",
ist sie überzeugt. Uns fällt ein Amulett mit einem Schafsbock
auf, das sie um den Hals trägt. Es soll Glück, Gesundheit und
Wohlstand bringen. Es gibt davon nur fünfzig Stück, betont
sie. Aber Heidrun Luder ergibt sich nicht in ihr Schicksal. Seit
zwei Jahren hilft sie bei der Essensausgabe im Ökumenischen
Seelsorgedienst für Asylsuchende (OeSA) an der Freiburgerstrasse
66, der direkt neben der Empfangsstelle für Asylbewerber
liegt. Sie arbeitet freiwillig, denn für Sozialhilfeempfänger,
erst recht für alleinerziehende Mütter, gilt keine
Arbeitspflicht. „Es findet jeder eine Beschäftigung", stellt sie
selbstbewusst fest. „Man muss halt dahinterstehen. Man muss
es gerne machen."
Sozialhilfeempfänger als freiwillige Helfer - das ist ein Ansatz,
den das Programm „Stadthelfer" des Amtes für Sozialhilfe
Basel-Stadt verfolgt. Weitere Einsätze erfolgen im Altersheim
Johanniter. Männer arbeiten mit dem Verein „Pro
Natura" am Rheinufer und bei der Sanierung des Bechtle-Areals,
eines neuen Naturgartenreservats beim Bäumlihofgut.
Wenn die Lebensmittellieferungen der Basler Tafel kommen,
freuen sich die Kinder über jedes Stück Schokolade. „Es gibt
Erwachsene, die werden ausfällig, wenn ich Lebensmittel für
die Kinder zur Seite lege", sagt Heidrun Luder nachdenklich.
Was würde sie sich wünschen, wenn sie dürfte? „Ich würde
gerne ein Jugendcafé aufmachen. Darüber spreche ich auch mit meinem Sohn." Bis es so weit ist, bietet sie anderen Empfängern
von Sozialhilfe jeden Freitag unentgeltlich Motivationstrainings
an.